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Zurück in ein anderes Jahrhundert

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Unterwegs im Atlasgebirge von Marokko fühlt man sich wie in ein anderes Jahrhundert zurück versetzt.

Während es bei uns in Europa üblich ist, dass jeder in einem "normalen" Haus inklusive Wasser- und Stromanschluss lebt, findet man hier extreme Gegensätze. So fahren wir hier mit unserem Auto durch Gegenden, in denen nur noch einzelne Hütten zu sehen sind. Die zusammengeflickten Hütten bestehen meist nur aus Holz, Plastikfolien und wenn es gut geht, dann ist das Dach mit Wellblech abgedeckt. Geheizt wird der Raum, in dem die ganze Familie zusammenlebt, mit einem kleinen Feuer. Stromanschluss haben nur die Wenigsten. Wasser muss man an einer Quelle holen. Wenn diese weiter weg liegt, bedeutet dies, dass man einen langen Fußmarsch auf sich nehmen muss. Falls vorhanden wird das Wasser auf einem Esel transportiert. Autos gibt es hier keine. Auch die Felder die diese Berber bewirtschaften, werden mit einem Holzpflug und einem davor gespannten Esel oder Pferd bearbeitet.
So fahren wir auf Schotterpisten durch die teilweise unberührte Landschaft und fühlen uns wie in ein anderes Zeitalter versetzt, wenn wir an Hütten der Berber vorbei fahren. Kinder rennen, sobald sie uns entdeckt haben, zur Straße und winken uns zu, Hausfrauen, die gerade beim putzen waren, winken mit ihrem Besen, die arbeitenden Männer erwidern unseren Handgruß. Sie schauen uns lange nach.
Sobald wir denken, wir sind ganz alleine in der stillen Natur, taucht plötzlich aus dem Nichts ein Hirte oder ein Wanderer auf, der von A nach B kommen möchte und kein anderes Transportmittel, außer seine Füße hat, egal wie viele Kilometer er zurück zu legen hat.
Wir, die wohl superreichen aus der entfernten Europäischen Union, werden genauestens unter die Lupe genommen und dann auch oft angesprochen. Sie fragen nach etwas zum Trinken, Zigaretten oder Feuerzeugen. Oft ist die Verständigung schwer, da die Berber nur ihre ganz eigene Sprache oder Arabisch sprechen. Französisch wird hier im Gebirge oft nicht verstanden. Schulen gibt es keine und die Kinder helfen ihren Eltern oder Großeltern beim Schafe hüten, Wasser holen oder Feuerholz machen.
Hier können die Berber ihr fast isoliertes Leben weiter führen wie vor hundert Jahren, denn Autos kommen hier nur in Form von Touristen sehr selten vorbei. Die Piste wird nur genutzt, um darauf zu Laufen oder mit dem Esel zu reiten. Wir stehen nun schon viele Stunden direkt neben der vermeintlichen Straße unter großen, beeindruckenden Zedern und kein Auto kam hier vorbei. Doch plötzlich, und da kann man sich darauf verlassen, wird bald wieder ein Hirte mit seiner Schafherde an uns vorbei ziehen und uns ganz genau unter die Lupe nehmen.
Wir finden diese Lebensart, weit ab von Stress und Hetze, etwas besonderes, doch hat dies eine Zukunft? Ohne Schulbildung so weiter machen, als gäbe es keine Entwicklung auf der Erde? Klammert man hier die Globalisierung komplett aus? Was ist, wenn die Ernte einmal durch zu wenig/viel Wasser/Dürre ausbleibt? Wovon sollen die Menschen hier dann leben? Das ist ihre einzige Einnahmequelle neben der Viehzucht!
Auf uns hat diese Art zu leben natürlich eine ganz eigene Auswirkung, sodass wir uns wie in früheren Zeiten fühlen, eben in einem ganz anderen Jahrhundert.

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