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Von Merzouga nach Zagora

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In den letzen vier Tagen fuhren wir mit unserem Monty die längste Wüstenstrecke Südmarokkos, von Merzouga nach Zagora. Es war ein tolles Erlebnis: Landschaft, Ruhe und das Nichts.

Zunächst wussten wir nicht recht, ob wir es uns trauen sollten, die Strecke zu fahren. In dem Offroadreiseführer von Sabine und Burkard Koch wird sie als mittelschwierig eingestuft. Doch wer über einen Allrad und die Route aus dem Reiseführer verfügt, kann die Strecke auch als Anfänger ohne Probleme meistern.
Los ging es damit, dass wir uns in Merzouga noch mal mit Lebensmitteln eindeckten und uns von zahlreichen Marokkanern anhören mussten, dass man unsere geplante Tour ausschließlich mit Guide fahren sollte. Doch dies ist reine Geschäftemacherei und man sollte sich davon nicht abbringen oder verunsichern lassen!
Dann gab es für Monty noch Asphalt unter den Rädern bis Taouz. Ab da ging es erst richtig los. Doch die ersten Kilometer sind ziemlich ätzend. Die Piste ist von LKWs ausgefahren und man kommt auf der holprigen Steinpiste nur sehr langsam vorwärts.
Aber dies geht vorbei und die Piste wird deutlich besser und die Landschaft schöner. Man kann die verschiedensten Bergformationen um sich herum erkennen und auch kleinen Dünengebiete neben der Piste laden zum übernachten ein. Trotzdem, dass diese Strecke eine der bekanntesten unter den Offroadroadern ist, haben wir unweit von der Piste mutterseelenallein und ungestört stehen können. Ein Traum!

 

An unserem zweiten Tag stand uns die eigentlich schwierige Stelle bevor. Die Durchquerung des Oued Rheris. Das Oued hat auf Höhe des Oasendorfes Ramlia eine Breite von ungefähr 3km mit einem direkt dahinter angeschlossenem Dünenfeld. Für die Durchfahrung senkten wir unseren Reifendruck um circa 50%.
Man merkt deutlich, dass die Einwohner des Dorfes zum Teil "touristenverseucht" sind. Kinder kommen ohne Hemmungen ans Auto, fragen nach Bonbons, schauen durch die Fensterscheiben und waren gefühlt kurz davor die Autotüren zu öffnen.
Wir wollten einfach nur schnell weg hier. Denn wir hörten im Vorfeld auch davon, dass sich hier junge Erwachsene einem als Guide durch das Oued regelrecht aufdrängen und im Anschluss horrende Preise von den Touristen fordern.
Das Oued war im Prinzip leicht zu durchfahren. Wir folgten immer der Hauptroute mit den am meisten ausgefahrenen Spuren und kamen dahinter wieder auf unseren eigentlichen Track der Pistenkuh.
Im Vorfeld dachten wir, dass die Wüste durch die wir hier fahren nur aus Sand und Dünen besteht, doch dem ist ganz und gar nicht so!
Wir fahren durch Steinwüste unterschiedlichste Art und Beschaffenheit, etwas Sand und auch über den ausgetrockneten See "Lac Maider", der eine ganz ebene Fläche darstellt. Wir merken, dass wir von Europa aus ein komplett falsches Bild der Wüste im Kopf hatten. Hier im Süden Marokkos ist sie unheimlich vielfältig und landschaftlich sehr abwechslungsreich.
Als wir weiterfahren müssen wir nochmals durch ein Dünengebiet und wir bekommen (unbegründet) Bange, da wir zuvor keine Luft abgelassen haben. Vor der nächsten Düne halten wir in der Nähe einer Kasbah (Dinosaur Kem Kem) an und wollen den Reifendruck reduzieren. Doch wir wurden von dem Rally erfahrenen Dinosaur Junior davon abgehalten, da er es für nicht notwendig erachtete. Stattdessen wurden wir zum Tee eingeladen. Während wir den Tee genossen, kam ein deutscher LKW mit Wohnkabine hinten drauf zur Kasbah gefahren. So entschlossen wir uns hier die Nacht stehen zu bleiben und mit Irma und Guri einen schönen Abend beim Lagerfeuer und Tajine zu verbringen.

 

Am nächsten Tag ging es mit frischem Brot der Auberge wieder weiter Richtung Zagora. Wir fuhren über angenehme Piste bei schönstem Wetter. Wir passierten zwei Militärposten, bei denen unsere Pässe kontrolliert wurden und die Daten mit unserem vorgefertigten Fiche abgeglichen wurden.
Die Piste wurde nun wieder schlechter mit vielen Steinen und extrem holprig. Doch zum Glück wurden wir mit grandiosen Ausblicken belohnt. Nach einer Anhöhe hatten wir einen traumhaften Ausblick in einen ovalen Talkessel. Man fühlte sich so klein und doch so groß in dem Moment des Staunens. Wir sahen wirklich nur die Berge außen herum und die Ebene dazwischen. Kein Haus, kein Mensch, kein Lärm, nur wir.
Unbeschreiblich, Gigantisch!
Ein schönes Übernachtungsplätzchen fanden wir hinter dem Talkessel bei mehreren Akazien am Rande eines breiten Oueds. Von hier waren es nur noch wenige Kilometer über Steinpiste zur Teerstraße die uns nach Zagora führen sollte.

 

Diese Wüstenstrecke hat uns gezeigt, wie vielfältig die Wüste sein kann und welche landschaftliche Schönheit Marokko zu bieten hat.
Gerne wieder!

Daten der Route:
Ausgangspunkt: Merzouga
Endpunkt: Zagora
Gesamtlänge: 281,5km
Davon Piste: 210km
Durchschnittsgeschwindigkeit (in Fahrt): 29km/h
Höchster Punkt: 931m.ü.n.N.
Tiefster Punkt: 668m.ü.n.N.

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